Konzert am 06.05.2007 in Liederbach

- Artikel Hoechster Kreisblatt - Mai 2007
Beten und singen mit dem plüschigen Spaßvogel Kimi
Liederbach. "Hey Kimi, komm aus deiner Kiste und sing mit uns!", ruft Liedermacher Michael Kirsten fröhlich in den Kasten, der vor ihm steht. Ein langgezogenes "Nee" schallt ihm entgegen. "Ich bin müde", quäkt Kimi. "Es ist Nachmittag, die Sonne scheint und du bist müde?", fragt der Liedermacher ungläubig. Die evangelische Kirche ist voller kleiner und großer Gäste, die zum Familien-Mitsing-Konzert des Kinderkirchenteams gekommen sind. "Kommt, wir locken den Kimi aus der Kiste", fordert Kirsten die Besucher auf. "Kimi, Kimi sing mit uns, das wird sicher schön", schallt es durch die ganze Kirche.
Vorne sorgen neben Michael Kirsten zehn junge Sänger im Alter zwischen fünf und zehn Jahren für Stimmung im Saal. "Kimi, Kimi, sing mit uns, komm raus wir woll'n dich sehen", singen sie begeistert. Markus Liebendahl am E-Piano, Gitarrist Hans-Peter Wickel und der Liederbacher Schlagzeuger Christoph Schmidt unterstützen die Sänger mit fetziger Musik. Dir Yannick und Simon (beide 14) sorgen am Mischpult für einen technisch einwandfreien Ablauf. Tatsächlich schaffen es alle gemeinsam, Kimi hervor zu locken. "Soo viele Leute?", staunt der strubbelige Plüschvogel. Weil Kimi so viel fragt, erklärt Kirsten ihm erst einmal, was man normalerweise in einer Kirche macht. ?Beten?" fragt Kimi. "Was soll'n das sein?" "Gott um etwas bitten, ihm etwas erzählen oder ihm einfach nur mal Danke sagen", sagt Kirsten.
Die Kinder amüsieren sich prächtig über den kleinen, neugierigen Vogel, den Michael Kirsten mit Bauchredner-Kunst dazu nutzt, zwischendurch Glaubensinhalte zu vermitteln. "Mit dir zu reden, das tut gut", singen alle, damit auch Kimi versteht, was Beten bedeutet. Jeder hat ein Heft mit Liedtexten zum Mitsingen. Die Stücke führen durch Jahreszeiten und Lebensabschnitte. Vergnügt lachend singen die Kinder: "Im Winter, im Winter, da gibt's so faule Kinder, die auf dem Schlitten sitzen, und die Eltern dürfen schwitzen." Zwei Kinder aus dem Publikum dürfen vorne auf einem Holzschlitten Platz nehmen. ?Meine Kinder wollten selbst dann nicht vom Schlitten runter, als eine riesige Wurzel den Weg versperrte", erzählt Michael Kirsten, wie es zu dem Lied kam. "Ich habe Schlitten samt Kinder versucht über die Wurzel zu ziehen, der Schlitten ist umgekippt und bevor er gerade stand, saßen die Kinder auch schon wieder drauf."
Kimi und die Lieder sind schon seit längerem Teil eines Kindergartenprogramms, das der musikalische Vater entwickelt hat. "Vor etwa einem Jahr kam dann die Idee auf, einmal ein Konzert für Eltern und Kinder daraus zu machen", erzählt er. Für jeden ist etwas dabei: Pianist Markus Liebendahl hat sogar aus dem "Vater Unser" ein Lied gemacht. Alle klatschen, singen und schnipsen gemeinsam. Nur Kimi ist auf einmal traurig: "Die sehen alle anders aus als ich." Doch als alle aufstehen und "Ich bin anders als du" singen, hat Kimi kapiert: "Ich bin einmalig und wirklich einzigartig." Die Besucher hören erst auf zu singen, als Luftballons von oben herab regnen. "Ich freue mich, dass alle so gut mitgegangen sind", ist Michael Kirsten erleichtert. Das Kinderkirchenteam kann sich vorstellen, auf Anfrage mit dem Programm auch noch woanders aufzutreten. Kirstens sieben Jahre alte Zwillingtöchter Lena und Dorothee sind Feuer und Flamme: "Wir würden das gerne noch öfter machen." Nur Kimi ist mittlerweile wieder friedlich in seiner Kiste eingeschlafen und träumt wahrscheinlich von all den Liedern, die er nun gelernt hat. (jcd)