
- Artikel Hoechster Kreisblatt - Januar 2005
Eine drollige Ente macht Kindern Appetit aufs Singen und Musizieren
Von Frank Weiner
Liederbach. «Ich bin nicht alleine da. Denn alleine habe ich mich nicht getraut.» Michael Kirsten öffnet den kleinen Koffer und zaubert seine gelbe, wuschelige Verstärkung heraus: die Ente «KiMi». Haben die Kinder zunächst noch etwas fragend und skeptisch im Turnraum des Kindergartens «Ritterwiesen» Platz genommen, so ist das Eis mit der Präsentation des lustigen, gefiederten Vogels schnell gebrochen. «,KiMi' ist müde und will ein Frühstücksei», sagt Michael Kirsten. Lautstark entgegnen ihm die Kinder nach vorheriger Anweisung: «Ein Frühstücksei? Das gibt's heut' nicht», rufen sie lautstark.
Die Stimmen der Kinder werden im weiteren Verlauf stark gefordert: Denn Michael Kirsten bietet erstmals ein kleines Musikprojekt in der Kita an. Aller Anfang ist dabei schwer: «Seid ihr überhaupt schon wach?», fragt der Hobbymusiker. Als er ein lautstarkes «Ja» erntet, nimmt der schwungvolle Vormittag seinen Lauf: «Wir wollen singen, spielen, toben ? Geschichten erzählen, Gott loben», singt Kirsten vor ? und viele Kinder machen es ihm schnell nach.
Zwischen seinen zumeist selbst ausgedachten Liedern und Geschichten warten die Kinder gespannt auf den großen Moment: Sie dürfen «KiMi» einmal auf den Arm nehmen und streicheln. Der Name des Musikprojektes ist in diesen Momenten Programm: «,KiMi sing mit uns», hat Kirsten sein «Baby» getauft. Und da hat er nicht zu viel versprochen: Locker und vollkommen natürlich, weil ohne großes Konzept zwischen den Liedern und Geschichten, begeistert der Familienvater die Kinder für Töne, Rhythmen und auch Religion. «Das hat auch einen christlichen Touch», sagt er. «Ich will den Kindern nahe bringen, dass Gott sie lieb hat.»
Daher ist sein Engagement in den «Ritterwiesen» keine Überraschung. Michael Kirsten hilft im Kinderkirchen-Team der evangelischen Kirchengemeinde. Und auf diesem Weg ist der Kontakt zur Kita zu Stande gekommen, in die seine Töchter Lena und Dorothee gehen. Leiterin Ute Poppenhäger-Unz, die selbst begeistert beim Programm mitmacht, habe angefragt, «ob ich nicht Lust hätte, etwas mit den Kindern zu machen». Michael Kirsten hatte Lust: Zwei Vormittage hat er in den «Ritterwiesen» schon angeboten, die nächsten sollen folgen. Und von der Kita «Bahnstraße» gibt es bereits eine lose Anfrage.
Die Steppkes aus dem zweiten konfessionellen Kindergarten in Liederbach sollten sich das Musikprojekt nicht entgehen lassen: Denn jeder darf mitmachen, klatschen, singen und hüpfen. Da gibt es die Wüstengeschichte, in der allerhand Tiere ihre Abenteuer erleben, oder das Lied «Kiste voll mit Sand», bei dem vier Kinder besonders gefragt sind. Lautstark wird es beim Titel «Wir sind Wunderkunder, einfach phänomenalisch», denn die 35 Dreikäsehochs haben auch diesen Text schnell im Kopf. Die anschließende musikalische Gymnastik passt in den Turnraum, beim «Dino-Lied» müssen die Erzieherinnen ran und das letzte Lied spielt Kirsten ganz ohne Noten.
Als er nach 45 Minuten zum Schluss kommt, ist dem ein oder anderen Kind die Enttäuschung anzusehen. «Mit hat es richtig toll Spaß gemacht», sagt Kirsten ? was seine kleinen Gäste nur bestätigen können. Als «KiMi» dann bei ihnen bleiben will, kennen sie aber keinen Kompromiss: «Es gibt doch keinen Entengarten», sagt ein Junge. «Wenn der Eier legt, hat er 100 000 Vögel hier drin.» (wein)